MMN. Meine Krankheitsgeschichte

hier können sich Neue vorstellen, hier kann alles rund um unsere schöne(n) Krankheit(en)
geschrieben werden einschließlich eigener Krankengeschichten

Moderatoren: Nine, Moderatoren

Antworten
Herzog
Beiträge: 5
Registriert: Sonntag 30. November 2014, 16:13
Deine Diagnose: mmN

MMN. Meine Krankheitsgeschichte

Beitrag von Herzog » Mittwoch 24. Dezember 2014, 15:18

Als ich Anfang des Jahres 2014 (15 Jahre alt) krank wurde, habe ich das noch nicht wirklich realisiert, vor allem was die Krankheit mit einem macht.
Es war der 7 Januar, als ich aufwachte war mein linker Oberarm gelähmt, ich spürte ihn nicht mehr so richtig, es war komisch.
Ab diesem Zeitpunkt begann die Arztsuche und die Suche nach einer Diagnose.
Ich war zunächst natürlich bei meinem ehemaligen Hausarzt, der meinte es könnte ein Ödem sein und gab mir Ibuprofen, obwohl ich gar keine Schmerzen hatte.
Das hatte auch nichts geholfen, also sind meine Eltern zum Orthopäden gefahren, dieser schickte uns direkt zum Neurologen.
Die Neurologen wollten mich nicht behandeln, weil ich noch nicht 18 Jahre alt war, also musste ich zum Kinderneurologen, dieser hatte auch keine Ahnung was ich haben könnte. Also schickte er mich zum Neurologen, dieser machte dann mal ein paar Untersuchungen die zu keinem wirklichen Ergebnis führten und
überwies mich in Krankenhaus. Dort wurde mir nach acht Stunden warten in der Notaufnahme Nervenwasser entnommen.
Die Fachärztin die dies unternahm hat bei Versuch eins leider nicht meinen Nerv getroffen und es war sehr angenehm, aber
die Oberärztin machte das dann doch noch voll in Ordnung, hatte nur zwei Wochen schöne Migräne. Der Chefarzt der
neurologischen Abteilung im Trierer Brüder-Krankenhaus hatte auch keine Ahnung, dieser wies mich mit
Stress ab und entließ mich ohne Befund.
Ich ging dann mal mit meiner Mutter zum Privatneurologen, dieser untersuchte mich mal gründlich und sah sich die
bisherigen Ergebnisse von Untersuchungen an.
Er schaute mich an und sagte, er könne mir noch keine Diagnose liefern aber es könnte sich vielleicht um eine
neuralgische Schulteraniotrophie handeln und es wäre sinnvoll auch jetzt eine Therapie zu unternehmen um wenigstens etwas zu machen.
Eine Kortisontherapie. Diese half nichts, sondern verschlimmerte meinen Zustand. Meine Beine wurden nach und nach taub.
Ich hatte keine Kontrolle mehr von meinen Beinen, ich fiel ständig auf den Boden auch in der Schule. Am schlimmsten als
ich zum Arzt gehen wollte und vor meinen Eltern hinfiel. Sie waren sowas von geschockt und hatten nun endgültig Angst.
Wir fuhren zum Hausarzt und berichteten von den Zuständen. Er schaute auf den Boden und sagte:"Ich kann dir nicht mehr helfen sondern nur darüber reden"
Darauf konnte ich nichts antworten. Meine Mutter fragte ob es MS wäre und der Arzt meinte vielleicht.
Nach der Frage ob wir zum Neurologen gehen sollen meinte dieser:"Nein, wer weiß wie lange das anhält."
Wir fuhren trotzdem zum Privatneurologen. Auf dem Weg dorthin fing mein Mutter an zu weinen, sie hatte enorme Angst.
Der Privatneurologe war entsetzt, was der Hausarzt alles gesagt hat. Er schaute mich diesmal seltsam an und meinte ich muss sofort ins
Krankenhaus. Er schaute in sein Lexikon und schaute mich wiederum an und sagte :"Nach meinen Erkenntnissen würde ich eine Immunglubolintherapie vorschlagen". Ich wollte nicht mehr. Nicht ins Krankenhaus. Er sagte wenn ich ich jetzt nicht ins Krankenhaus gehe dann werde ich im Rollstuhl sitzen.
Wir fuhren nach diesem Gespräch nach Hause und meine Mutter war am weinen, ich war geschockt. Mein Vater war auch geschockt.
Meine Mutter sagte zu meinem Bruder das ich vielleicht MS habe. Im Krankenhaus wurden nach einigen Untersuchungen beschlossen mich auf die Intensivstation zu legen, dort bekam ich eine Immunglubolintherapie. Anfangs habe ich Kopfschmerzen gehabt, weil mein Immunsystem im Keller war. Ich war ständig müde auch vor der Therapie und hatte keinen Hunger. Ich lag eine Woche auf der Intensivstation. Die Untersuchungen brachten nur das es kein Rheuma ist, kein MS, kein Tumor und kein Parkinson ist.
Ich sah auf der Intensivstation Menschen die sterben, die beatmet wurden, die eher Tod als Lebendig waren, Familien die ihren Angehörigen besuchten, Mütter und Väter die ihre Kinder besuchten und Kinder die ihre Väter und ihre Mütter besuchten.
Meine Mutter und mein Vater und einige Verwandte kamen mich besuchen. Unter meinen Freunden waren nur noch einer der
mich fragte wie es mir geht, der mich besuchen kam. Er ist heute mein bester Freund. Auch meine beiden Brüder kamen mich nicht besuchen, der eine fragte per What´s app wie es mir geht der andere gar nicht. Nach einem Streit zwischen meiner Mutter und meinem älteren Bruder kam dieser dann doch an dem Tag an dem meine Mutter Geburtstag hatte. Sie feierte bei mir auf der Intensivstation. Mein Vater sprach mir immer Mut zu und ich soll kämpfen, er erzählte mir
was er gemacht hatte um den Krebs zu besiegen. " Ich bin stolz auf dich." sagte er immer zu mir.
Durch die Therapie ging es mir eindeutig besser, ich konnte besser gehen und spürte mehr in meinen Beinen. Ich war so glücklich als ich meine Knie berührt habe und etwas gefühlt hatte. Es wurde dann noch Blut bei mir abgeholt und in ein Labor nach Leverkusen geschickt um dort eine Diagnose zu beschließen.
Als ich wieder zu Hause war, war ich meinen Eltern tiefer verbunden als zuvor. Sie waren für mich da.
Meinen 16. Geburtstag konnte ich nicht so richtig feiern.
Die Blutproben ergaben, dass ich eine Autoimmunerkrankung habe. Multifokale motorische Neuropathie. Mein Immunsystem produzierte Antikörper, die es wiederum Angriffen.
Ich musste diese Therapie nochmal machen, da mein linker Oberarm noch nicht ganz verheilt war.
Heute geht es mir besser. Ich kann gehen meinen Arm bewegen. Ich trainiere jetzt im Fitnessstudio um die Muskeln wieder auf zu bauen.
Ich verdanke meinen Eltern fiel.
Ich habe meinen Hausarzt gewechselt.
Bin nun auf einer anderen Schule.
Ich starte ein neues Leben.
Die Erfahrungen änderten meine Persönlichkeit.
Ich lernte Geduld zu bekommen.
Ich interessiere mich jetzt auch für Neurologie.

Benutzeravatar
Nine
Site Admin
Site Admin
Beiträge: 1226
Registriert: Samstag 21. Dezember 2002, 21:01
Deine Diagnose: Syringomyelie, axonale PNP unklarer Genese, HWS +BWS-Syndrom
Wohnort: Rendsburg
Kontaktdaten:

Re: MMN. Meine Krankheitsgeschichte

Beitrag von Nine » Samstag 27. Dezember 2014, 19:25

Hallo!
Erstmal von mir ein :herz-will: in unserem Forum. Danke für deine ausführlicche Beschreibung deiner Geschichte. Du hast Sie ja sehr ausführlich geschildert. Ich finde es immer wieder erschreckend, wie unsensibel einige Ärzte reagieren und die Symptome als psychisch bedingt unter den Teppich kehren wollen. Super dass es dir wieder besser geht. Mußt du nun regelmäßig zur Immunglubolintherapie ?
Ich wünsche Dir weiterhin viel Glück ,dass sich deine Symptome nicht wieder verstärken.
Ich würde mich freuen, wenn du weiterhin ab und zu berichtest wie es dir geht.

Grüße deine Eltern recht herzlich von mir und nochmal pnp089:

:ohrensteif: :a070: NinE
***Sich auseinanderzusetzen ist gut, wenn man sich nachher wieder zusammensetzen kann.***
© Ernst Reinhardt (*1932), Dr. phil., Schweizer Publizist und Aphoristiker *** :140: mail@polyneuropathie-forum.de

jungerSpund78
Beiträge: 17
Registriert: Dienstag 27. November 2012, 11:34

Re: MMN. Meine Krankheitsgeschichte

Beitrag von jungerSpund78 » Freitag 16. Januar 2015, 20:13

Nine hat geschrieben:... Mußt du nun regelmäßig zur Immunglubolintherapie ? ...
Das würde auch interessieren!

Herzog
Beiträge: 5
Registriert: Sonntag 30. November 2014, 16:13
Deine Diagnose: mmN

Re: MMN. Meine Krankheitsgeschichte

Beitrag von Herzog » Dienstag 27. Januar 2015, 21:06

Momentan nicht. Darüber bin ich auch sehr froh. :)
Ich arbeite daran, meinen Körper wieder zu regenerieren, da sich starke Atrophien gebildet haben.
Aber... ich würde gerne wissen wieso man gerade so etwas bekommen kann? :?:

Vielen Dank
LG Herzog :)

Herzog
Beiträge: 5
Registriert: Sonntag 30. November 2014, 16:13
Deine Diagnose: mmN

Re: MMN. Meine Krankheitsgeschichte

Beitrag von Herzog » Dienstag 27. Januar 2015, 21:11

Kann meine Krankheit öfters ausbrechen?

jungerSpund78
Beiträge: 17
Registriert: Dienstag 27. November 2012, 11:34

Re: MMN. Meine Krankheitsgeschichte

Beitrag von jungerSpund78 » Dienstag 27. Januar 2015, 22:16

Hallo, ich muss z,B, alle sechs Wochen eine Infusion von IVG bekommen. Das bisher schon seit fast zwei Jahren.

Antworten

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 3 Gäste