Schmerztherapie mit Versatis 5%

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bigwhitelion
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Schmerztherapie mit Versatis 5%

Beitrag von bigwhitelion » Mittwoch 8. November 2017, 08:51

Hallo miteinander,
ich möchte mich kurz vorstellen.
Ich bin der Christian aus Essen und bin 53 Jahre alt.
Bei mir wurde vor über 3 Jahren eine PNP der unteren Extremitäten diagnostiziert. Innerhalb einen Jahres ging alles ganz schnell.
Von erst einseitig auf beide Füße, immer heftiger werdender Schmerzen in den Füßen, insbesondere beim gehen in den Fußsohlen, einschießende messerstichartige Schmerzattacken und dem Gefühl die Füße verbrennen oder erfrieren im Wechsel.
Ich verlor meine Arbeit. Ich war Fahrlehrer füe PKW und LKW, aufgrund dessen hat auch ganz schnell das Straßenverkehrsamt das mitbekommen und mir alle Führerscheine und die Fahrlehrerscheine abgenommen. Statt dessen war ich mit dem Rollator unterwegs. :shock:
Anfang letzten Jahres waren die Schmerzen trotz Tilidin 300 3x täglich und mittlerweile Pregaballin 300 2x täglich nicht auszuhalten. Ich begab mich in eine Schmerzklinik vor Ort. Hier wurde das Tilidin durch die Gabe von Targin ersetzt. Aufgrund des "out of dose" - Phänomens, d.h. die Wirkung des Medikamentes hört schon nach 8 statt 12 Stunden auf, wurde ich am Ende der Schmerztherapie mit 3x täglich 30 mg Targin , 4x täglich 40 Tropfen Novalminsulfon, 2x täglich 300 mg Pregaballin und für die Psyche 1x morgens 30mg Duloxan(Cymbalta) entlassen.
Es ging mir so weit ganz gut, aber es war nur eine Frgae der Zeit wann die Wirkung nachließ . Nach einem halben Jahr wurde aus dem Targin 3x 30mg, Oxycodon 3x40mgund aus 30 mg Duloxan 60 mg. Das Targin wurde vom Schmerztherapeuten durch Oxycodon erstzt, weil die Krankenkasse(Barmer) das Targin nicht mehr verschreiben wollte und bekam zusätzlich 10mg Oxycodon als akut Schmerzmittel für Schmerzspitzen. Mitte diesen Jahres hatte ich dann die Nase voll. Ich war ja nur noch auf Droge, hatte Watte im Kopf, hatte die 10 mg akut teilwweise 4 Stück auf einmal dazu genommen, weil ich die Schmerzen in den Füßen, die mittlerweile auch auf die Unterschenkel übergingen nicht mehr aus. Ich beschloss eine erneute stationäre Schmerztherapie.
Von meiner Psychtherapeutin erfuhr ich, dass hier in Essen ein Krankenhaus ganz neu eine Schmerzstation aufmachten. Ich hatte mich dorthin einweisen lassen von meinem Schmerztherapeuten und wurde beim Aufnahmegespräch auch angenommen für die Behandlung. Ich hatte den Wunsch geäußert weniger von den Opiathaltigen Mitteln einzunehmen, da dies ein Fass ohne Boden wäre.
Kurz um die Chefin der Schmerztherapie entschloss sich zu einem, im ersten Augenblick, seltsamen Weg, aber ich ließ alles machen. Sie setzte die 10 mg akut sofort ab und täglich wurden 10mg von den 120 mg Oxycodon ausgeschlichen. Zum Glück alles ohne Entziehungserscheinungen. Am 4. Tag kam sie mit einer Idee an.
Die Behandlung mit einem Schmerzpflaster Namens "Versatis 5%", dieses Pflaster ist ungefähr Postkarten groß und mit 700 mg Lidocain getränkt. Da ja bei mir die Schmerzen besonders groß waren beim Laufen und wer kennt das nicht bei der PNP, morgen beim Aufstehen der erste Bodenkontakt wie der Schmerz durch den ganzen Körper schießt!!! Das Pflaster wird jeweils für 12 Stunden, am besten über Nacht, angebracht. Bei mir kam sie auf die Idee diese unter die Füße zu kleben.
Nach der ersten Nacht wurde morgens um 7 das Pflaster entfernt und ich stieg aus dem Bett...Hallejulja...das erste mal seit 3 Jahren hatte ich keine Schmerzen beim Aufstehen und den ersten Schritten. Seit dem benutze ich das Pflaster jede Nacht und bin bei einer Oxycodongabe von nur noch 3x10mg täglich retardiert, 3x täglich Pregaballin 300mg und keine Tropfen Novalminsufon mehr. Das ganze ist jetzt über ein halbes Jahr her. Ich kann mittlerweile zwar mit größeren Pausen 3x 20 Minuten laufen mit dem Rollator. Denn es werden nur die Schmerzen bekämpft mit dem Pflaster; die Taubheit bleibt.
Einzig bitterer Nachgeschmack dabei ist; Das Versatis 5% steht auf der Roten Liste. Es ist nur bei neurophatischen Schmerzen hervorgerufen durch ein Post Zosta Neuralgie nach einer Herpes Zosta Infektion(Gürtelrose)zugelassen, aber mit einem formlosen Antrag und der Unterstützung durch meinen Schmerztherapeuten und meinem Hausarzt wurde dem "Off Label Use - Antrag" stattgegeben. Die Krankenkasse übernimmt die Kosten.
Also wer sich mit den selben neurphatischen Schmerzen angesprochen fühlt, redet mit eurem Schmerztherapeuten, ermuntert Ihn mal diesen Weg einzuschlagen. Dieses Pflaster hat null Nebenwirkungen, es treten keine Hautveränderungen auf und es hilft über eine verdammt lange Zeit. Es bewirkt keine großen Wunder aber ein kleines schon...ich habe ein weit aus höheres Lebensgefühl als wie mit den ganzen hohen Opiaten und kann wieder vor die Tür...nur kurz(1 Stunde bis 2 Stunden dann müssen die Füße wieder hoch liegen) aber ich kann wieder schmerzfrei ein bischen teil Haben am sozialen Leben.
Bei Rückfragen eine Mail an c-glenz@outlook.de
Mit lieben Grüßen
Christian Glenz
PS: Ich hoffe euch mit meiner Geschichte etwas helfen zu können .
Über meinen Weg mit der LVA/DR und dem Versorgungsamt an anderer Stelle mehr!

bigwhitelion
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Re: Schmerztherapie mit Versatis 5%

Beitrag von bigwhitelion » Mittwoch 8. November 2017, 11:27

Nachtrag: Ich war am Anfang bei einem Neurologen, der mich in ein Krankenhaus überwiesen hatte. Dort war ich für 14 Tage zur Ursachenforschung.
Ich habe keine Diabetes, habe 3 Jahre vor Ausbruch der PNP im Rahmen der Diagnose einer weiteren Erkrankung COPD Gold 3 das Rauchen und das Trinken eingestellt, kein Vitamin B12 Mangel, keine rheumatischen Faktoren, keine Verengung des Spinalkanals, keine erblichen Ursachen, keine Schwermetallvergiftung, keine Borreliose(Spinalwasseruntersuchung NEGATIV), also keine Autoimmun Erkrankungen, also nach der Meinung von 5 verschiedenen Neurologen, 2 Krankenhäusern und einer REHA gehöre ich leider zu den 20% der Menschen, bei denen die Ursache ungeklärt bleibt. Leider ist dem so. Meine Hände haben mittlerweile auch schon angefangen betroffen zu sein. Meine PNP ist nicht nur schwer, sie ist auch progredierend.
Und meine Nervenbahnen sind unwiderruflich zerstört.

Christian

strauss
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Deine Diagnose: PNP unklarer Genese, Verdacht auf CIDP

Re: Schmerztherapie mit Versatis 5%

Beitrag von strauss » Mittwoch 8. November 2017, 21:57

Hallo Christian,

großen Dank für deinen Beitrag, Respekt!

Zu einem gewissen Teil hast du meine Beschwerden geschildert, allerdings bin ich von solcher Intensität der Schmerzen (noch) deutlich entfernt. Mir "schwant" aber nichts Guites für die Zukunft. Die einschießenden Schmerzen sind in letzter Zeit heftiger geworden, die Desensibilisierung bis über die Knie hoch. Zugleich auch Beginn in den Fingern pp.

Habe was Bein-Nervenbahnenzustand anbetrifft aber kürzlich etwas leicht Positives zu verzeichnen, denn nach einem erstmaligen Neurologen-Wechsel mit neuer Messung hat man mir gesagt, daß eine bestimmte "tot"-Aussage einer Bahn vom bisherigen Neuro nicht zuträfe, die Bahn sei intakt. Vielleicht hat sich da im Detail was regeneriert?

Gib die Hoffnung nicht auf, die Wissenschaft schreitet auch fort - und viell. kann einem später doch noch etwas besser geholfen werden.

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