Wie wichtig ist ein Glukosetolleranztest

Moderatoren: Nine, Moderatoren

Antworten
Benutzeravatar
carmi
Beiträge: 426
Registriert: Sonntag 3. Januar 2010, 10:53
Deine Diagnose: diabetische PNP, koronare Herzkrankheit, HWS- und BWS-Syndrom und vieles andere

Wie wichtig ist ein Glukosetolleranztest

Beitrag von carmi » Donnerstag 17. Juni 2010, 10:36

Liebe Forumsteilnehmer,

Wie Ihr ja sicher schon mitbekommen habt, war während unseres Treffens in Halberstadt der Dr. Vielhaber aus Magdeburg bei uns zu Gast.
Er machte uns darauf aufmerksam, dass es äußerst wichtig ist während der Diagnostik zur Ursachenbestimmung der PNP einen Glukosetolleranztest durchzuführen. Einfach nur den Nüchtern-Blutzucker messen, reicht nicht aus.

Hier ein Artikel, der diese Äußerung noch einmal unterstreicht:
Die wesentlichen Merkmale einer peripheren Neuropathie sind unter anderem Kribbeln und Taubheitsgefühl in den Extremitäten, brennender Schmerz in den Beinen, insbesondere in Ruhe, sowie eine große Druckempfindlichkeit der Haut, so dass die Patienten etwa allein das Gewicht der Bettdecke als schwer und schmerzauslösend empfinden. Häufig entsteht eine Neuropathie durch einen Diabetes mellitus. Unlängst zeigte sich jedoch in der Augsburger MONICA/KORA-Studie, dass diese Erkrankung bereits bei Menschen mit einem Prädiabetes, insbesondere einer Glukoseintoleranz, auftreten kann.

Das bedeutet für die Praxis, dass auch Patienten, bei denen noch kein Diabetes diagnostiziert wurde, eine schmerzhafte Neuropathie entwickeln können. Daher empfiehlt Professor Ziegler vom Deutschen Diabetes Zentrum in Düsseldorf, dass Ärzte an ihren Patienten mit Neuropathie primär einen oralen Glukosetoleranztest durchführen. So kann eine gestörte Glukosetoleranz als Ursache ausgeschlossen werden, bevor der behandelnde Arzt nach weiteren Ursachen sucht. Prof. Ziegler leitet ein Teilprojekt der Augsburger MONICA/KORA-Studie.

Eine gestörte Glukosetoleranz IGT (impaired glucose tolerance) liegt vor, wenn nach dem oralen Glukosetoleranztest der Plasmaglukosewert im venösen Blut nach zwei Stunden zwischen 140 und 199 mg/dl liegt. Man spricht von einer abnormen Nüchternglukose (IFG, impaired fasting Glucose) wenn der Nüchternglukosewert zwischen 100 und 122 mg/dl liegt. Prädiabetes bedeutet also, dass die Blutzuckerwerte bereits leicht erhöht, aber noch nicht so weit erhöht sind, dass man einwandfrei von einem Diabetes sprechen kann. Ein weiteres Merkmal des Stadiums des Prädiabetes ist ein erhöhter Insulinspiegel; die Insulin-Empfindlichkeit sinkt. Mit Prädiabetes beschreibt man also den Zustand vor einer Diabetesmanifestation.

Neben den bekannten Faktoren, die die Entwicklung einer Neuropathie begünstigen, wie etwa zunehmendes Alter, konnten weitere Risikofaktoren ausgemacht werden. Insbesondere haben Patienten mit Übergewicht, das eng mit metabolischen und kardiovaskulären Komplikationen assoziiert ist, und/oder einer peripheren Arteriellen Verschlußkrankheit (AVK) ein erhöhtes Risiko eine schmerzhafte Polyneuropathie zu entwickeln. Die AVK wird umgangssprachlich auch Schaufensterkrankheit genannt, bei der es durch Störung der arteriellen Durchblutung der Extremitäten nach Belastung, und dazu kann schon spazieren gehen zählen, zu Schmerzen in den Beinen kommt. Weiter zeigte sich, dass auch mangelnde körperliche Aktivität einen weiteren Risikofaktor darstellt. Die im Rahmen des metabolischen Syndroms bekannten kardiovaskulären Risikofaktoren gelten auch bei der schmerzhaften diabetischen Neuropathie. Unter dem „metabolischen Syndrom“ wird das gleichzeitige Auftreten von Übergewicht, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörung sowie Insulinresistenz verstanden.

Patienten mit einer gestörten Glukostoleranz (IGT) entwickeln doppelt so oft eine Neuropathie wie Patienten, die ausschließlich einen hohen Nüchtern-Blutzucker (IFG) aufweisen. Diabetiker entwickeln sogar dreimal so häufig eine Neuropathie. Bei Patienten mit keinerlei Auffälligkeiten in den Blutzuckerwerten ist eine Neuropathie eher selten zu diagnostizieren. Neben dem Diabetes sind die größten Risikofaktoren Alter und Übergewicht. Besteht eine AVK, ist das Risiko sechsmal, bei Diabetikern sogar neunmal, so hoch.

Eine effektive Behandlung des metabolischen Syndroms kann deshalb möglicherweise auch zu einer Verminderung des Risikos der diabetischen Polyneuropathie beziehungsweise der neuropathischen Schmerzen führen. So könnte eine Gewichtsnormalisierung zu einem verminderten Risiko für eine Polyneuropathie führen und, rein hypothetisch, so der Autor, sogar eine bestehende Polyneuropathie bessern.


Nicole Waschke, Online-Redaktion Diabetes-heute.de, Deutsches Diabetes-Zentrum an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung

Quelle: Ziegler D, Rathmann W, Dickhaus T et al. Neuropathic pain in Diabetes, Prediabetes and Normal Glucose Tolerance: The MONICA/KORA Augsburg Surveys S2 and S3. Pain Medicine. 2009;10(2):393-400.
Achtet bitte darauf, dass dieser Test bei Euch während der Diagnostik gemacht wird.

LG Carmi
Bild
***Menschen zu finden,
die mit uns fühlen und empfinden,
ist wohl das schönste Glück auf Erden
*** Carl Spitteler

Antworten

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast