Was hat es mit diesem Antrag auf sich?

Hier könnt ihr Fragen zum Antrag von Schwerbehindertenausweis über Erwerbsunfähigkeit, Rentenantrag, REHA-Aufenthalt, Ärger mit Krankenkassen und & Co stellen, bzw berichten .

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Susanne66
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Was hat es mit diesem Antrag auf sich?

Beitrag von Susanne66 » Mittwoch 4. Mai 2011, 16:02

Hallo zusammen,

nachdem ich inzwischen fast 6 Monate arbeitsfähig bin, setzt mich meine Krankenkasse nun unter Druck, einen Antrag auf Teilhabe am Arbeitsleben zu stellen. Könnt ihr mir verraten, was dahinter steckt? Ist das gut oder schlecht für mich?
Zum Hintergrund, ich hab als Sekretärin gearbeitet, also durchweg sitzend. Gerade sitzen geht bei meinem HWS-Problem nicht. Einerseits ist eine Rückkehr in meinen vorigen Job einfach mal so nicht drin, aber es ist auch fraglich, ob z.B. ein höhenverstellbarer Tisch dem Problem beikommen könnte. Inzwischen haben sich bei mir nämlich weitere Problematiken eingestellt (von denen die Krankenkasse aber noch nix weiß, da ich grad erst dran bin, das mit dem Arzt mal abzuklären). Das hängt alles mit dem HWS zusammen. Die Schmerzen sind inzwischen wohl chronifiziert, evtl. hängt auch noch die Psyche mit dran und verhindert, dass ich gesund werde (Psychoschiene). Aufgrund dessen und evtl. auch aufgrund eines Entzuges eines Medikamentes, das ich nicht vertragen habe, kann ich seit 4 Tagen nicht mehr schlafen. Ich sitze hier, völlig neben mir. Der Arzt war gestern total schockiert, weil ich ihm vorkam, als hätte ich einen Finger in der Steckdose. Klar, vor Übermüdung hab ich gezittert. Ihr seht, bei dieser Problematik hilft auch kein Stehpult.

Aber zurück zu meiner Frage. Wenn ich das hier so richtig verfolge, seid ihr alle eher genervt, weil euer Antrag abgelehnt wurde, ich fürchte mich davor, ihn zu stellen. Ich weiß, dass meine Krankenkasse mich gerne loshätte, klar ich koste inzwischen ja auch. Deshalb unterstelle ich automatisch, dass sie mir damit ein Bein stellen wollen.
Sollte ich in einen dieser Verbände eintreten?
Soweit ich informiert bin, kann die KK mich bei Ablehnung des Antrags dazu zwingen, einen Rentenantrag zu stellen.
Dazu bin ich aber nicht bereit, da ich immer noch die Hoffnung habe, wieder arbeiten zu können. Ich bin erst 45!!!!!!
Selbst der Arzt hat festgestellt, dass ich bei all meinen Baustellen doch ein solcher Pitbull bin, dass ich die Schmerzen z.T. bereits wegdrücke. Das hört sich erst mal schön an, wenn man Schmerzen einfach mal so in seinen Alltag integrieren kann. Aber es ist Augenwischerei, denn die suchen sich dann wo anders ein Ventil, z.B. eben bei der Schlafproblematik.
Also kurzum, ich fühle mich nicht rentenreif, bin im Moment aber noch nicht soweit, wieder arbeiten zu gehen, ohne meine Gesundheit weiter aufs Spiel zu setzen. DAs würde nicht lange gut gehen.

Genug gelabert, freue mich über jede Meinung.

lg
Susanne

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carmi
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Re: Was hat es mit diesem Antrag auf sich?

Beitrag von carmi » Mittwoch 4. Mai 2011, 22:02

Liebe Susanne,

das bedeutet, dass dich die Krankenkasse darauf aufmerksam machst, dass Du nach 6 Monaten Arbeitsunfähigkeit das Recht hast einen Antrag auf berufliche Rehabilitation zu stellen. Dieser wird von der Rentenversicherung in der Regel erst mal abgelehnt, aber nach Widerspruch kommt meistens die Zusage.
Am Ende der Reha entscheidet dein behandelnder Arzt meistens mit dir gemeinsam ob deine Arbeitsfähigkeit wieder hergestellt wurde oder nicht.

Ich war im letzten Jahr auch zur Reha (2x) aber leider ohne den gewünschten Erfolg.

Jetzt wurde ich nach 1 1/2 Jahren Arbeitsunfähigkeit von der Krankenkasse ausgesteuert und muss beim Arbeitsamt einen Leistungsantrag stellen.

Gleichzeitig liegt mein Rentenantrag auf dem Tisch und wartet darauf ausgefüllt und abgegeben zu werden. Susanne ich bin auch erst 44 Jahre alt (noch). Leider bleibt einem erst mal nichts Anderes übrig als diesen Weg zu gehen. Sollte der Antrag bewilligt werden, bekommt man die Zusage in der Regel erst einmal für 2 Jahre. Ich möchte diese Zeit nutzen, mich beruflich umzuorientieren, da auch ich nicht mehr 40 Std. die Woche am Schreibtisch sitzen kann.

Stell den Antrag auf Reha auf jeden Fall. Vielleicht bingt dich die Reha ja auch wieder ein Stück weiter. Schaden kann es auf keinen Fall. Die Krankenkasse ist sicher nicht bestrebt dich los zu werden. Das darf sie gar nicht.

Nun noch kurz ein Satz zu deiner Bemerkung Psychoschiene. Es ist in der Tat so, dass unsere Erkrankung die Psyche angreift. Ich wollte es auch erst nicht wahr haben. Doch dann bin ich in ein so tiefes Loch gefallen aus dem ich alleine nie wieder raus gekommen wäre. Ich bin heute froh darüber den Schritt Richtung psychosomatischer Behandlung gemacht zu haben. Auch wenn ich weiß, dass der Weg noch sehr lang ist, den ich gehen muss, aber ich bin mir sicher geht es meiner Seele wieder gut, dann wird es mir auch körperlich besser gehen. Also schiebe bitte den Gedanken, es kann auch die Psyche angegriffen sein, nicht ganz von Dir weg. Warte nicht bis es zu spät ist dich in psychosomatische Behandlung zu begeben. Es heißt ja nicht, dass Du nicht zurechnungsfähig bist.

So, ich hoffe ich konnte Dir ein wenig helfen und Dir die Augen öffnen.

Ich wünsche Dir alles Gute und :pnp028:

LG Carmi
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Susanne66
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Re: Was hat es mit diesem Antrag auf sich?

Beitrag von Susanne66 » Mittwoch 4. Mai 2011, 22:17

Hi Carmi,

nein, nein, es geht nicht um einen Reha-Antrag. Bei dem Antrag geht es um die berufliche Seite der Medaillie. also wenn ich das richtig verstanden habe, beantrage ich mit diesem Antrag, dass der Rentenversicherer mir entweder Arbeitsmittel zur Verfügung stellt, die einen Wiedereinstieg ermöglichen oder er bietet eine Umschulung an, wenn ich im bisherigen Beruf nicht mehr weiter machen kann.

Im Moment dreht sich mir vieles im Kopf, da ich derzeit mit Nebenwirkungen von den Medis wesentlich mehr zu kämpfen habe als mit den Schmerzen. Deshalb bin ich mir einfach nicht sicher, was für mich grade das richtige ist.
Im Moment hab ich grad wieder eine Phase, in der ich denke, in der Stärke könnte ich evtl. mit den Schmerzen leben. Andererseits merke ich sehr wohl, wie dieses "Akzeptieren" sich auswirkt. Die Schmerzen suchen sich dann ein anderes Ventil (Schlaflosigkeit, Depressionen, Gereiztheit etc.). Also auch keine Dauerlösung. Trotzdem hab ich dann schon fast ein schlechtes Gewissen, noch nicht wieder am Schreibtisch zu sitzen. Zum anderen mach ich mir auch nix vor. Die Schmerzen sind JETZT grade erträglich, das kann in ein paar Tagen wieder ganz anders sein. Wenn sich meine Vermutung bestätigt und ich Fibromyalgie habe, dann ist das ja ein Dauerkrankheitsbild. Und auch ohne dies sieht es schmerztechnisch denke ich ganz anders aus, wenn ich mich jetzt wieder 8 Std. an den Schreibtisch setzen würde.

Dass die ganze Sache die Psyche belastet ist mir schon klar, das sehe ich auch ein. Seit Monaten bemühe ich mich um einen Termin beim Psychologen .- bisher vergeblich. Entweder sie nehmen gar keine neuen Patienten an oder haben Wartelisten von bis zu einem Jahr. Das hilft mir jetzt nix. Aber ich merke sehr wohl, wie ich langsam auf dem Zahnfleisch laufe. Die ganze Situation, dieses Hin und Her, Auf und Ab, die Ärzte, die einer nach dem anderen aufgeben, die Angst, dass einem irgendwann keiner mehr glaubt, die Zukunftsangst und dann noch die zahlreichen Nebenwirkungen der Medis, das alles kratzt gewaltig an der Psyche. Was ich mit der Psychoschiene meinte ist, dass viele Ärzte dazu neigen, die GESAMTE Problematik dann in diese Richtung zu drehen und dann das körperliche Problem völlig unter den Tisch gekehrt wird. So nach dem Motto: Sie sind nicht wirklich krank, es ist psychosomatisch, da können wir nichts machen, da müssen Sie zum Psychologen gehen.

lg
SUsanne

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Re: Was hat es mit diesem Antrag auf sich?

Beitrag von carmi » Mittwoch 4. Mai 2011, 22:41

Liebe Susanne,

ich kann dich sehr gut verstehen. Ich war gerade 10 Wochen in einer psychosomatischen Klinik. Dort wollte man auch erst mal sämtliche Beschwerden auf die Psyche schieben. Es hat mich einen langen Kampf gekostet meinen behandelnden Arzt davon zu überzeugen, dass bei mir erst die Schmerzen da waren und dann die Depressionen kamen, da ich nicht mehr das machen konnte, was ich wollte.

Mein Tip für Dich, lies mal folgenden Link:

http://de.wikipedia.org/wiki/Berufliche_Rehabilitation

vielleicht hilft dir das etwas weiter.

Du hast aber das Recht jetzt eine Reha zu beantragen. Mach das! Es kann auf keinen Fall falsch sein. Und dort kann ja auch über eine Teilhabe am Arbeitsleben entschieden werden.

Wenn Du dringend psychologische Behandlung brauchst, ist der beste Weg über eine psychosomatische Klinik. Denk mal darüber nach. Ich bin wirklich froh diesen Schritt gemacht zu haben.

LG Carmi
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